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Die existenzielle Haar-Frage: Wie viel Olaplex braucht mein Leben?

Autor*in

Lia Haubner

Iloveyoumagazine Magazine Beauty Olaplex Bond Smoother Article

Olaplex ist das Netflix der Haarpflege. Man fragt sich, wie man vor seiner Erfindung überleben konnte und zahlt deshalb gerne regelmäßig einen gewissen Betrag dafür.

Wer blond werden möchte, kommt kaum daran vorbei: Denn der heilige Gral unter den Wirkstoffen repariert gebrochene Haarbrücken und wird deshalb vor dem Blondieren mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Bewunderung im Salon empfohlen.

Die Geschichte beginnt mit einer zweiteiligen Profi-Anwendung sowie einem „Hair Perfector“, kurz Olaplex No.3, für Zuhause. Kostenpunkt: um die fünfundzwanzig Euro.

Man könnte meinen, dass so ein Preisschild gelassen hingenommen werden kann, wenn man gerade den Wert von 16,7 Netflix-Basis-Abos in helleres Haar investiert hat.

Tatsächlich atmet man schwer, greift dann aber natürlich zu. Ungefähr so muss es sich anfühlen, eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen. Man übernimmt präventiv Verantwortung, weil man weiß, dass etwas auf einen zukommt.

Mittlerweile ist die Olaplex-Produktfamilie gewachsen.

Olaplex für Zuhause besteht aus No.3, 4 und 5:

Neben No.3, das man vor der Haarwäsche einwirken lässt, gibt es ein Shampoo- und Conditioner-Set, das konsequent auf die Namen No.4 und No.5 hört.

Ich bin seit beinahe zehn Jahren blond und lasse regelmäßig nachfärben. Meine rebellische Form der Olaplex-Routine besteht aus der Kombination von 3 („Hair Perfector“) und 5 (Conditioner), weil ich gerne Silbershampoo oder auch mal Re.Store von Kevin Murphy, einen Shampoo- und Conditioner-Ersatz, verwende. Das macht meine feinen Haare nicht unbedingt gesund, aber sie sehen jetzt wenigstens halbwegs so aus. Kräftiger wirken sie außerdem.

Der jüngste Olaplex-Zuwachs namens „Bond Smoother“ – oder No.6 – ist ein Leave-In-Treatment für trockenes und feuchtes Haar, das Feuchtigkeit – die man zum Beispiel durch UV-Strahlung oder Hitzestyling verliert – spenden, Frizz in den Griff kriegen und das Haar stärken soll.

Klingt vielversprechend, heißt aber auch: vier Schritte sollte man bei der Pflege in den eigenen vier Wänden investieren. Dann sind die Haare aber immer noch nass. Kann man sich überolaplexen?

Mental auf jeden Fall, denn ich habe den Eindruck, dass ich kurz davor bin.

Die hard facts:


Der Olaplex-Wirkstoff ist ein aktiver Bindungsverstärker, der die Disulfidbrücken des Haares – verantwortlich für die Stabilität – repariert. Das macht ihn besonders.

Das sagt Haarstylistin Ruby Howes:

„Die Verbindungen unseres Haares bestehen aus Keratin und Proteinen. Einer der wichtigsten Wirkstoffe von Olaplex ist Bis-Aminopropyl Diglycol. Er sorgt dafür, dass gebrochene Brücken wieder aufgebaut werden. Meiner Meinung nach sprechen die Ergebnisse für sich – ich finde, dass man einen sehr großen Unterschied bei den Kund*innen sehen kann, die das Treatment nutzen. Gerade, wenn sie ihre Haare blondieren.“

Wer das über mehrere Jahre hinweg tut, ist übrigens gar nicht so weit vom Existenzialismus entfernt: In der griechischen Mythologie wird Sisyphos dazu verdonnert, für immer einen Stein einen Berg hochzurollen. Kurz vor dem Ziel entgleitet er ihm. Er muss wieder von vorne anfangen – jedes Mal. Ungefähr so fühlt sich das Erhalten einer nicht-naturblonden Haarfarbe mit der Serie von 1 bis 6 an.

Doch der französische Philosoph und Schriftsteller Albert Camus betrachtet die Geschichte so: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ Wir suchen Sinn in unserem Dasein und damit auch unserer Tätigkeit, doch die Welt scheint absurd. Im Akzeptieren des vermeintlich Absurden und ewig Gleichem gewinnen wir jedoch Freiheit, so Camus. Und auch reparierte Haarbrücken – sofern man Sisyphos ins Bleach-Universum katapultiert.

Ein Investment in den Olaplex „Bond Smoother“ als Teil Nummer 6 einer Pflegeserie ist demzufolge wahrscheinlich sogar sinnvoll. Zumindest kann man aber akzeptieren, dass er dazugehört.