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Warum wir mehr Schrott essen, wenn wir übermüdet sind

Autor*in

Saskia Gerhard

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Kurze Nacht gehabt und am nächsten Tag hat man Appetit auf alles und nichts. Und dann dieses nicht stillbare Hungergefühl. Kein Wunder: Wenn es an Schlaf mangelt, steht der Stoffwechsel Kopf.

Unser Schlaf regelt eine Vielzahl von Prozessen im Körper. Bekommen wir zu wenig davon, sind wir erschöpft, Konzentrationsfähigkeit und Leistung lassen nach. Wir werden vergesslich. Diese Symptome hat jeder mal nach einer kurzen Nacht erlebt. Wer öfter wenig schläft, mutet sich selbst aber noch mehr zu als bloß Schusseligkeit. Depressionen werden wahrscheinlicher. Das Hautbild kann sich verschlechtern. Auch gibt es Hinweise darauf, dass der Blutdruck steigt, wenn man zu wenig schläft.

Das Essverhalten und der Stoffwechsel können durch kurzen Schlaf ebenfalls gestört werden. Forscher*innen haben tausende Menschen befragt und ein paar davon sogar mit Kunstlicht und verkehrten Tag-Nacht-Rhythmen gequält, um schließlich den Verdacht zu erhörten: Der Körperfettanteil steigt, wenn ein Mensch nicht genug Schlaf bekommt. Expert*innen grübeln noch, woran das liegen könnte, ein paar Erklärungsansätze gibt es aber schon.

Möglicherweise hat es mit dem Zuckerstoffwechsel zu tun. Schlafmangel vermindert laut Untersuchungen die Sensibilität unserer Zellen für Insulin. Das ist das Hormon, das den Zucker aus unserem Blut ins Gewebe holt. Werden die Zellen unempfindlich gegenüber Insulin, steigt der Zuckerspiegel im Blut. Das wiederum fällt der Bauchspeicheldrüse auf, die dann noch mehr Insulin ausschüttet. Dieser Überschuss ist ein Signal an die Leber, Zucker aus dem Blut zu ziehen, in Fettsäuren umzuwandeln und diese dann ins Fettgewebe einzulagern.

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Das ist nicht der einzige Kreislauf, der durcheinander zu geraten scheint. Forscher*innen haben Hinweise gefunden, dass ebenfalls die hormonelle Appetitkontrolle gestört sein kann. Zwei Hormone in diesem System sind Leptin, ein Sättigungsfaktor, und Ghrelin, ein hungerförderndes Hormon. Sie signalisieren dem Körper unter Schlafmangel nicht mehr korrekt, wann er wirklich Kalorien braucht. Auch die Hormongruppe der Orexine könnte Einfluss haben – sie prägen sowohl das Essverhalten als auch den Schlaf.

Wirkt sich das schlussendlich auch auf die Figur aus? Einige Studien legen das nahe. Kroatische Forscher*innen haben in einer Befragung unter rund 2100 Studierenden herausgefunden, dass der Body Mass Index (BMI) höher war, wenn die Befragten wenig (oder aber sehr viel) Zeit im Bett verbrachten. Auch britische Forscher*innen kamen zu ähnlichen Ergebnissen, als sie 1651 Erwachsene zwischen 19 und 65 Jahren untersuchten: Wer genug schläft, hat einen niedrigeren BMI.

Wie viel genug ist, kann sich aber je nach Alter unterscheiden. Eine Studie aus den USA hat ergeben, dass ältere Menschen generell mit weniger Schlaf zurechtkommen. Menschen zwischen 18 und 49 weisen höhere BMI-Werte auf, wenn sie regelmäßig nur fünf bis sechs Stunden oder weniger schlafen.


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Bestimmte Lebensstile sind eindeutig schlecht für eine gute Schlafgesundheit und einen intakten Stoffwechsel. Nachtarbeit etwa sollte man vermeiden, denn die stört den Schlaf-und-Wach-Rhythmus erheblich. Das konnten US-Forscher*innen schon in einem kleinen Experiment zeigen, für das sie fünf Männern und fünf Frauen zehn Tage lang in einem abgeschirmten Labor mit Kunstlicht einen falschen Tagesrhythmus vorspielten. Schon nach wenigen Tagen kam der Stoffwechsel der Teilnehmer*innen durcheinander.

Wer außerdem die Präferenz hat, eher abend- und nachtaktiv zu sein, könnte versuchen, sich mehr zum Morgenmenschen zu machen. Eine Studie aus den USA hat gezeigt, dass ein höherer BMI eher bei den Teilnehmer*innen auftrat, die spät ins Bett gingen, später aßen und eher zum Nachmittag und Abend hin aktiv wurden. Die Ergebnisse sind aber nur bedingt auf alle Menschen übertragbar, denn sie wurden an asiatischen Proband*innen erhoben, die schon an einer Vorstufe von Diabetes litten.

Am Ende hilft nur eins: Mehr schlafen.

Bild aus dem Archiv: I LOVE YOU magazine, Issue No. 9

Fotografie: Maxime Balesteros