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Warum sind Plastikbeutel immer noch ein legitimes Beauty-Accessoire?

Autor*in

Lia Haubner

Iloveyoumagazine Magazine Beauty Pouch Plastic Closeup

Coffee-To-Go-Becher und Wegwerf-Strohhalme sind auf Social Media verpönt. Der Plastikbeutel – perfekt für die Flüssigkeiten im Handgepäck – hält sich dagegen hartnäckig. Vermutlich, weil sich das schlechte Gewissen hier anders anfühlt. Ernsthaft?

Es gab eine Zeit, in der Coffee-To-Go-Becher und Plastikstrohhalme bei Instagram nahezu unvermeidbar waren. Auf Bildern wurde durch sie Flüssigkeit öffentlichkeitswirksam aufgenommen. Sie galten – kunstvoll neben Chanel und #oldceline arrangiert – als legitime Accessoires.

Wer sie zeigte, unterstrich damit auch: Ich bin beschäftigt und schaffe es trotzdem, mich multitaskend auf dem Weg zum nächsten #SecretProject – oder zur Arbeit – mit der nötigen Portion Vitamine, Wasser oder Koffein zu versorgen. It's a lifestyle!

Heute sieht die Sache anders aus. Es ist 2019 und die Konsequenzen, die der sogenannte Lifestyle der westlichen Industrieländer mit sich bringt, sind auf einmal Teil der öffentlichen Debatte.

Manchmal wird sogar gehandelt.

Jeden Freitag gehen weltweit Schüler*innen auf die Straße, die ein radikales Umdenken in der Klimapolitik fordern. Die EU hat für eine Richtlinie zum Verbot von Wegwerfprodukten aus Plastik gestimmt, die ab 2021 in Kraft treten soll. Darunter fallen unter anderem Einweg-Strohhalme. 

Die postet mittlerweile auch kaum noch jemand.

Wer sich einen Kaffee zum Mitnehmen kauft, findet neben den Plastikdeckeln in Cafés jetzt nicht selten den Hinweis, nochmal darüber nachzudenken, ob man diesen denn wirklich brauche.

Dabei wird mit dem Verzicht auf den Deckel längst nicht alles gut: Viele vermeintliche Pappbecher sind sogar innen mit einer hauchdünnen Plastikschicht überzogen und machen das Recycling damit kaum möglich, berichtet die Zeit. Apropos: In der EU wird nicht einmal ein Drittel des Plastikmülls recycelt.

Der Beutel gehört zu den letzten offensichtlichen Plastik-Statussymbolen auf Social Media

Angesichts dieser Fakten dürfte sich kaum jemand wundern, wieso die Motivation rapide abgenommen hat, die einst begehrten Einweg-Zeugen eines beschäftigten Lebensstils auf Social Media zu zeigen.

Doch ein Objekt scheint davon ausgenommen: der Plastikbeutel für Kosmetik und Pflege, der praktischerweise auch gleich für den Flüssigkeitscheck des Handgepäcks am Flughafen genutzt werden kann. Allerdings nur, wenn er von der „richtigen“ Marke stammt.

Phoebe Philo kombinierte für die Céline-Spring-Summer-18-Kollektion das Design eines handelsüblichen Jutebeutels mit durchsichtigem Kunststoff und Logoaufdruck. So manifestierte sie eine neue legitime Form des Begehrens eines eigentlich verpöntem Material.

Iloveyoumagazine Magazine Beauty Glossier Pouch Plastic

High-End-Plastikbeutel, die schließlich jede*r Flugreisende irgendwann braucht, waren die logische Konsequenz, mit der andere Marken entweder nachzogen oder sich freuen durften, weil sie längst in Teil ihrer Linien waren und auf einmal hipper denn je wurden.

Neben einer transparenten Luxus-Version mit Chanel-Logo belegt Bloggerin Emily Weiss’ Beautymarke Glossier den Spitzenplatz im Hype-Beutelranking. Die #PinkPouch ist ein Ziploc-Täschchen aus pastellfarbenem Luftpolstermaterial, in der sich die Glossier-Produkte traditionell nach dem Kauf befinden. Wer regelmäßig nachbestellt, besitzt also irgendwann eine Menge davon.

Lian Najarian, eine US-amerikanische Fashion- und Marketing-Studentin und Glossier-Repräsentantin, die im Online-Shop ihre Favoriten der Marke empfiehlt, schlug dem Team deshalb vor, die Pink Pouch beim Bestellvorgang optional zu machen – vorerst ohne Erfolg. Beauty Content Creator Samantha Louise machte im Oktober 2018 auf die E-Mail-Konversation aufmerksam. Glossier antwortete, dass man seine Verantwortung für die Umwelt ernst nehme und die Pink Pouch gerade deshalb als Verpackung kreiert habe, weil sie nun mal wiederverwendbar und auch recycelbar sei.

Das kollektive Erwachen des Umweltbewusstseins scheint also vor allem dazu zu führen, dass auf Social Media nun Mehrweg- statt Einwegplastik-Kreationen zu den Accessoires der Stunde erklärt hat. Wirklich nachhaltig ist das nicht. Es fühlt sich aber zumindest ein bisschen mehr so an — und das beschreibt den aktuellen Zeitgeist womöglich besser als alles andere.

Iloveyoumagazine Magazine Beauty Glossier Pouch Plastic