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Eine Morning-Skincare-Routine für 15, 5 und 1,5 Minuten

Autor*in

Lia Haubner

Iloveyoumagazine Magazine Beauty Routine Teaser

Hautpflege war für mich jahrelang der Kauf von Abschminktüchern und Wasser. Mit meiner unproblematischen Mischhaut spazierte ich in meinen Zwanzigern durch die Regale bei dm und hatte für die Cremes und Peelings oft nur ein major side eye übrig.

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Dann kam Instagram mit #wokeuplikethis, Marken wie Glossier, die „Skin first, make-up second“ ausriefen und schon brach 2017 an, „The Year Skin-Care Became A Coping Mechanism“. So betitelte Jia Tolentino ihr viel geteiltes New Yorker-Essay über den Hype von Hautpflege als Ausdruck von Zeitgeist.

Sie spricht darin über Marketing, Finanzen und die Rolle des Internets: Korean Skincare wurde zum Beispiel global erhältlich und besteht nun mal aus zehn Schritten. Auf einmal waren Sheet-Masks im Trend, mit denen man auf Selfies gut aussieht und das auch noch, ohne viel Geld ausgeben zu müssen. Doch, so Tolentino, da wäre auch noch die Sache mit der Definition des Begriffs „natürlich“.

Natürlichkeit sei nämlich trotz aller Pro-Aging-Marketingversuche einfach nur ein anderes Wort, das die Industrie nun anstatt „jung“ benutzt. Gemeint ist aber immer noch genau das. Dasselbe gelte für Instagram-Gesichter, in die vor den Selfies, Stories und Videos jede Menge Zeit und Geld – für längere Wimpern, zarte Poren oder perfekt geformte Lippen, #nomakeup hin oder her – geflossen sei. Natürlichkeit ist teuer.

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Einen Cleanser, den sie sich selbst kaufte, beschreibt Tolentino so: „Ich war mir nicht sicher, ob ich immer noch Hautpflege kaufte oder eine psychologische Schutzdecke oder wie viel Unterschied es dabei überhaupt noch gab.“ 

Hautpflege ist eine Routine, die klaren Regeln folgt. Es gehe um Kontrolle und Aushalten, schreibt sie, buchstäblich um das Überdauern einer Zeit, in der Unsicherheit das ist, worauf man sich verlassen kann. Während ich ihre Zeilen las, bestellte ich gerade parallel mein erstes Hyaluron-Serum und fühlte mich, als hätte jemand nicht nur in meinen Warenkorb, sondern direkt in mein Innerstes geschaut.

Denn offensichtlich war ich gerade tatsächlich dabei – kurz vor meinem 30. Geburtstag, kurz vor einem ganz neuen Job – eine psychologische Schutzdecke in Form eines Skincare-Fläschchens mit dem Versprechen von „Deep Hydration“ zu erwerben. Hat es geholfen? Nun ja. Wie es ohne gewesen wäre, ist jedenfalls nicht überliefert.

Heute kann ich an dieser Stelle verkünden, dass dem folgenden Guide eine anderthalbjährige Testphase – vor allem im großartigen Subreddit r/SkincareAddiction – vorausging. Ich kann ihn allen deshalb wärmstens ans Herz legen. Ob nun als Coping-Mechanismus oder Investment: No judgement, dafür aber bessere Haut.

Für 15 Minuten:

Jahrelang war ich davon überzeugt, wenig Schlaf zu brauchen. Jetzt mache ich mindestens einmal pro Woche um 21 Uhr kurz mal die Augen zu und wache dann um 5:30 Uhr – hellwach, klar – in einer Position auf, die selbst beim Yoga niemandem zugemutet werden sollte. Eigentlich ziehe ich nur dann das volle Hautpflege-Programm durch.

Mein wichtigstes Learning war bisher, dass sich eine Gesichtsreinigung nicht anfühlen muss, als hätte jemand die Haut mit Stahl abgerieben. Das Balea Reinigungsöl, das ihr bei dm bekommt, hat meinen Morgen deshalb tatsächlich verändert. Danach folgt ein Toner von Klairs, der den pH-Wert der Haut ausbalanciert und auf die optimale Aufnahme der Pflegeprodukte vorbereitet.

Hyaluronic Acid von The Ordinary trage ich danach hauchdünn auf das noch angefeuchtete Gesicht auf. In dieser Kombination funktioniert es für mich und lässt die Haut praller und frischer aussehen. Benutze ich auch nur eine mikroskopische Menge zu viel, schuppt sich meine Haut spätestens unter dem Make-up. Es ist also mit Vorsicht genießen.

Danach folgt die The Ordinary Caffeine Solution, die ich unter die Augen tupfe. Sie kühlt angenehm und mildert Schatten und Schwellungen. Ein Concealer ist sie nicht, man fühlt sich aber immerhin wacher.

Wenn mir meine Haut danach immer noch trocken vorkommt, benutze ich die Feuchtigkeitsspendende Gesichtscreme von CeraVe, die mit Ceramiden, Hyaluronsäure und Niacinamid ausgestattet ist – drei Wirkstoffe, die in Kombination tatsächlich Superkräfte entfalten, Fältchen ausgleichen und die Haut langfristig weniger trocken machen.

Entdeckt und gelernt habe ich das kürzlich bei #LaSkincare, einer großartigen Hautpflege-Info-Reihe von @vie_kafkaienne auf Twitter. Lest ihren Thread unbedingt, wenn ihr zum Einstieg einen Überblick über Inhaltsstoffe und Produkte sucht. So verständlich wie sie erklärt das nämlich kaum jemand. Es lohnt sich!

Dort wird auch der getönte Sonnenschutz Photoderm Max Aquafluide von Bioderma empfohlen, der sogar ein bisschen abdeckt statt zu glänzen. Ich kann ihn mir an Sommertagen sogar als Make-up-Ersatz vorstellen.

Eigentlich war ich sehr zufrieden mit meinem Sonnenschutz von Missha – beide Cremes ziehen schnell ein, funktionieren unter meinem Make-up und fühlen sich nicht zu pappig an –, werde deshalb aber komplett ins Team Bioderma wechseln, sobald sie aufgebraucht ist.

(Disclaimer: Ob der Moisturizer vor oder nach dem Sonnenschutz kommt ist ein heiß debattierter Punkt. Wer mich von einer anderen Reihenfolge überzeugen möchte oder die Holy-Grail-Kombination gefunden hat, der melde sich gerne hier.)

Für 5 Minuten:

Meine normaler morgendlicher Zeitrahmen. Ich stehe nach zweimal Snooze an der Kaffeemaschine, halte mit einer Hand die Zahnbürste und benutze die andere für dramatische Gesten, um zu demonstrieren, dass ich im Stress bin.

Dann wird gecremt, aber bitte schnell. Das Balea-Reinigungsöl nutze ich abwechselnd mit der neuen Aesop Cleansing Milk, den ich gerade teste. Bisher macht meine Haut problemlos mit.

Ich lasse den Toner und all things Tiegelchen von oben weg – keine Zeit – und schnappe mir stattdessen das Hydrabio-Serum von Bioderma. Ein weiterer Tipp aus dem Hause #LaSkincare, den ich nicht mehr im Badezimmer missen möchte. Es zieht unfassbar schnell ein, verleiht Feuchtigkeit und sorgt dafür, dass man die Creme kaum vermisst.

Sonnenschutz drüber, der UVA- und UVB- und Infrarot-Schutz bietet und übrigens auch das ganze Jahr benutzt werden kann und sollte. Ohne gehe ich tatsächlich fast nie aus dem Haus.

Für 1,5 Minuten:

Reinigungsöl und Sonnenschutz. Muss reichen, tut es im Zweifelsfall aber auch.

Visuals: Julia Rosenstock