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Natürlich sind Make-up-Routinen von Politiker*innen wichtig

Autor*in

Lia Haubner

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Baking How-To: 1. Primer auftragen. 2. Concealer auftupfen und mit einem feuchten Beauty Blender einarbeiten. 2. Wiederholen. 3. Setting Powder auftragen. 4. Den Beauty Blender mit Setting Spray anfeuchten und mehr Puder auftragen. 5. 10 Minuten warten. 6. Alles mit einem weichen Pinsel verblenden. Gif: „Knock Down The House“/Netflix

Die US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez fordert einen Mindestlohn von 15 Dollar und eine staatliche Krankenversicherung. Sie kämpft für gebührenfreie Colleges, die Abschaffung der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE und den Green New Deal, der Wirtschaft und Energiegewinnung angesichts der Klimakrise reformieren soll.


Debattiert werden ihre Themen im US-Kongress, in den internationalen Medien und bei Instagram. Alexandria Ocasio-Cortez ist omnipräsent: in den Politikressorts, in der Vogue, auf Netflix. Die 29-jährige Demokratin zog als jüngste Abgeordnete in das Repräsentantenhaus ein und verändert, wie über Politik gesprochen wird.

Wenn Politiker*innen über ihren Job kommunizieren, nutzen sie gerne das Wort „Sacharbeit“. Die Sache, um die es geht, ist aber nicht nur die Sache, sondern ein oft bemühtes Argument, das zeigen soll, warum diese oder jene Art von Kommunikation darüber nicht möglich sei. Zu persönlich? Schwierig. Man würde der Sache damit die Seriösität nehmen, heißt es.

Das Gegenteil ist der Fall.

Alexandria Ocasio-Cortez, kurz AOC, macht einfach. Sie erklärt ihre Themen beim Vorbereiten des Abendessens und zwar live auf Instagram. Die Demokratin redet über Make-up genauso wie über die Energiewende – und macht ihre Sacharbeit damit zu einer Sache, über die gesprochen wird:

„alexandria ocasio-cortez is literally making instant pot mac n cheese on instagram live and talking about politics and listening to janelle monae on a friday night. this the representation i am here for“, schreibt eine Followerin auf Twitter. Oder: „@AOC using the same kind of beauty blender I use is so inspirational like thank you for representing me.“

Die Reaktionen fallen so euphorisch aus, weil die Abgeordnete tatsächlich etwas wagt, das vorher kaum dagewesen ist. Man erlebt Alexandria Ocasio-Cortez und ihre Themen in einem Alltag, der nicht fremd wirkt – ob sie nun Pflanzen umtopft oder am Anfang der Netflix-Dokumentation, die sie durch den Wahlkampf begleitet, ihren Concealer mit der Baking-Methode aufträgt: Sie macht die Sache, für die sie kämpft, nahbar, indem sie sie in einen Kontext bringt, der verstanden wird.

„Das könntest du sein“, ist die Botschaft, die dabei über AOCs politischer Arbeit steht.

„Lip+hoops were inspired by Sonia Sotomayor, who was advised to wear neutral-colored nail polish to her confirmation hearings to avoid scrutiny. She kept her red. Next time someone tells Bronx girls to take off their hoops, they can just say they’re dressing like a Congresswoman.“
Alexandria Ocasio-Cortez zum Feedback auf ihren Look bei ihrer Vereidigung auf Twitter. Sonia Sotomayor ist Richterin am US-Supreme Court.

„Getting ready, for women, it involves so many decisions about how you’re going to present yourself to the world“, sagt Alexandria Ocasio-Cortez zu Beginn der Baking-Szene auf Netflix. Und: „How do you prepare for something you don't know is coming?“. Wieder so ein Moment, den man fühlen kann, ohne jemals in der Politik gearbeitet zu haben.

Concealer könnte ein guter Anfang sein, denkt man noch, während AOC ihn aufträgt. Die Szene zeigt, was Make-up sein kann: Vorbereitung, Routine, Schutzschild – und ja, auch ein Tool für mehr Authentizität in der Kommunikation. Es geht um Nahbarkeit, die im besten Fall dafür sorgt, dass die Sache nicht mehr distanziert betrachtet wird. Das ist politische Kommunikation, die sich nach Repräsentation anfühlt.

Der Miracle Complexion Sponge, der in der Baking-Szene in „Knock Down The House“ gesichtet wurde, ist von Real Techniques und hier erhältlich.