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Machen Milchprodukte wirklich eine unreine Haut?

Autor*in

Saskia Gerhard

Milchhonig

Wer Kuhmilch trinkt, Joghurt löffelt und Käsestullen isst, muss sich nicht über Pickel wundern – das hört man immer wieder. Ein Blick in Studien zeigt aber: Gelegentlich ein Cappuccino zerstört uns wohl nicht den Teint.

Ach, hätten wir bloß eine Zeitmaschine. Dann könnten wir ungefähr 11.000 Jahre zurück in die Vergangenheit reisen und ein für allemal die Frage klären:  Macht Milchkonsum Pickel? Wir würden unsere Maschine so programmieren, dass sie uns kurz vor der neolithischen Revolution absetzen würde. Damals wurden Jäger und Sammler zu Bauern, Felder wurden bestellt, Tiere domestiziert und Euter gemolken. Wir könnten also schauen, ob diese Revolution den makellosen Teint zerstört hat und ob die Haut der Menschen besser war, als sie noch keine Milch getrunken haben.

Geschichtsdokumente werden uns nicht helfen in dieser Frage, denn erste Berichte über Hautunreinheiten stammen aus einer späteren Epoche. Die alten Griechen und Ägypter scheinen als Erste versucht zu haben, Pickel zu beseitigen. Und obwohl Ärzte damals schon wussten, dass sich die richtige Ernährung positiv auf körperliche Leiden auswirken kann, ist selbst 2.500 Jahre später noch nicht eindeutig bewiesen, dass Milch der böse Komplize fieser Pusteln sein könnte.

Was die Suche nach einem Zusammenhang grundsätzlich schon mal schwer macht: Es ist gar nicht klar, was genau in der Milch schlecht für die Haut sein könnte. Manche gehen von Hormonen aus, andere von bestimmten Aminosäuren, auch Eiweiße wie Wachstumsfaktoren sind im Gespräch. 

Die (vermeintlichen) Konsequenzen untersuchen ist da schon einfacher: Was Milchverzehr mit der Haut macht, wurde vielfach analysiert. Die Studien beschäftigen sich nur meistens mit der schwersten Ausprägung von Hautunreinheiten, der Akne. Wer gelegentlich ein paar Pickel hat, kann die Ergebnisse nicht unbedingt auf sich selbst übertragen.

Für Menschen mit Akne zeigen sich aber dezente Hinweise, dass Milch möglicherweise negative Auswirkungen auf die Haut haben könnte. Eindeutig bewiesen ist nichts, dann die Studien haben ihre Haken.

Für eine Untersuchung beispielsweise haben Wissenschaftler*innen mehr als 47.000 Frauen in den USA befragt, wie viel Milch sie in Highschool-Jahren getrunken haben und ob sie zu dieser Zeit Akne hatten. Eine ganze Menge Probandinnen – mit den Ergebnissen sollte schon was anzufangen sein, möchte man meinen.

Ist die Milch Schuld – oder doch die Abschminkroutine?

Die Methode der Forscher*innen ist aber problematisch. Befragungen, besonders wenn sich die Befragten an zurückliegende Ereignisse erinnern sollen, können sehr verzerrte Ergebnisse hervorbringen. Denn unser Gedächtnis ist trügerisch. Gut, die Akne damals mit 15 hat man wahrscheinlich nicht vergessen, aber wie viele Gläser Milch pro Woche man damals getrunken hat? Da wird es schon schwierig.

Diese Studie hat weitere methodische Schwächen. Akne wird von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst: Erbanlagen, Hygiene, sozialer Status, Stress, Hormone – diese Liste lässt sich fortführen. All diese Einflüsse wurden in den Studien außen vor gelassen, was der Milch als Auslöser eine größere Rolle zugeschrieben haben könnte als sie eigentlich spielt. Es gibt andere Studien, mal unter Tausenden Jungen, mal unter ein paar Tausend Mädchen – allesamt Befragungen, alle mit methodischen Schwächen.

Wenn einzelne Studien solche Probleme bereiten, kann es helfen, sch einen Überblick über die Gesamtsituation zu verschaffen. Forscher*innen machen sowas öfter mal in Meta-Studien. Dafür fassen sie alle Ergebnisse zusammen, die sie zu einem bestimmten Thema finden können, und aus dem großen Ganzen ziehen sie dann ihre Schlüsse. Dänische Forscher*innen haben zu diesem Zweck im vergangenen Jahr in einer großen Überblicksstudie zahlreiche Forschungsergebnisse gesammelt und ausgewertet, die sie über Akne und Milchverzehr finden konnten.

Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Menschen, die gar keine Milchprodukte zu sich nehmen, generell eine geringere Chance haben an Akne zu leiden. Die größte Aknebelastung tritt aber unter denen auf, die regelmäßig und viel Milch trinken. Mehr als ein Glas Milch pro Tag soll das Akne-Risiko besonders ankurbeln. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Milch und Pickeln gibt es also, die Forscher*innen weisen aber auch daraufhin, dass die meisten betrachteten Studien lückenhaft waren und dass mehr Untersuchungen notwendig sind, um einen eindeutigen Schluss ziehen zu können.

Was machen wir nun mit dieser Information? Um herauszufinden, ob die eigene Haut besser wird ohne Milchprodukte, hilft letztendlich nur eins: Verzicht und Geduld. Nach zwei bis drei Wochen ohne Milchprodukte dürfte sich zeigen, ob Milch, Käse und Joghurt für die Pickel verantwortlich waren oder doch etwas anderes.

Wenn die Diät nichts bringt, kann eine Haut- und Ernährungsberatung vielleicht helfen. Daneben tun es aber auch schon einfache Methoden: Genug Schlaf hilft der Haut, sich zu regenerieren. Sie sollte aber vorher vom Schmutz des Tages und von Make-up befreit werden. Die Hände sollten so selten wie möglich Richtung Gesicht wandern und auch wenn es manchmal schwer fällt: nicht an den Pickeln knibbeln!

Fotografie: Marcus Gaab