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Wo sind die gesellschaftlichen Visionen für Frauen ab 50?

Jane Fonda In Five Acts Ka 1920

Ich bin 47 Jahre alt und habe keine Vision für mein Leben und meine Karriere nach 50. Das liegt nicht etwa an meiner fehlenden Phantasie – sondern daran, dass die Gesellschaft schlichtweg nicht vorsieht, Frauen „in diesem Alter“ zu inspirieren. Wie wir das ändern können? Jane Fonda hat einen Vorschlag: „Life's Third Act“.

Ich habe Schwierigkeiten, mich selbst in der Zukunft zu sehen. Eigentlich schon seit meinem 40. Geburtstag.

Dabei hatte ich immer eine Vision davon, wer oder was ich sein wollte – schon seit ich denken kann. Als Sechsjährige wollte ich Tierärztin werden und wenn ich dann heirate, so dachte ich, werde ich das schönste Hochzeitskleid tragen. Nichts davon ist eingetreten. Das mit der Tierärztin hatte sich mit 14 erledigt und ich wollte auf jeden Fall nach dem Abitur Kunst oder Design studieren. Heiraten fand ich auch plötzlich doof.

„Ich werde unabhängig sein und mein eigenes Geld verdienen, mich niemals, also wirklich niemals von einem Mann abhängig machen”: Das war mein Mantra.

Im Studium habe ich mir mein Zukunfts-Ich als 30-jährige „Karrierefrau” in einer Werbeagentur vorgestellt. Kinder kriegen wollte ich auf gar keinen Fall. 

Die Agentur habe ich mir dann selbst aufgebaut. Dann ist uns dieser süße Unfall passiert und ich hatte mit 27 Jahren unser erstes Kind geboren. Jetzt habe ich zwei Kinder, eine Firma und keine Idee mehr, wie die Geschichte weitergehen soll. Seit ich 40 bin, wird die Sache mit den Visionen kompliziert und ich bin davon überzeugt, dass das weniger etwas mit meiner Phantasie und meinem Vorstellungsvermögen zu tun hat, sondern viel mehr ein gesellschaftliches Thema ist.

Wer mit 35 keine Karriere gemacht hat….

Wenn du mit 40 nicht auf Seite des Kunden gewechselt bist…

Hast du keine Wohnung gekauft?

Geld anlegen…

Alles Sprüche, die mich geprägt haben. Aus gesellschaftlicher Perspektive bin ich alt – zu alt, um noch ganz viel Zeit zu haben. Zu alt, um alles in Frage stellen zu dürfen und zu alt, um einfach nochmal ganz von vorne anzufangen. Nicht, dass ich hier auf hohem Niveau jammern möchte. Mir ist bewusst, dass es von außen betrachtet nichts zu meckern gibt, doch genau hier liegt das Problem. 

Mir ist es wichtig, groß denken zu können. Ich brauche ein Ziel, eine Idee, was in fünf, in zehn und in 20 Jahren sein könnte, weil ich ein neugieriger Mensch bin. Das scheint für Frauen ab 40 aber nicht mehr vorgesehen zu sein. Ich liebe, es zu lernen. Ich entwickle mich gerne weiter und möchte nicht stehen bleiben.

So bin ich durch eine Freundin auf den Ted-Talk von Jane Fonda gestoßen. Sie spricht darin über eine große Revolution unserer Zeit: Dass in den letzten 100 Jahren die durchschnittliche Lebensdauer der Menschen um ca. 30 Jahre gestiegen sei und wir deshalb auch überdenken müssen, wie wir Altern wahrnehmen. Denn mit 60, so Fonda, hat man, wenn alles gut läuft, noch ein ganzes Erwachsenenleben vor sich.


Ich möchte deshalb diesen Frauentag meiner großen Heldin Jane Fonda widmen, die als Aktivistin und Feministin Pionierarbeit geleistet hat – und wenn ich mal groß bin, wünsche ich mir, so zu denken und zu handeln wie sie.

I love you,

Christiane