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Helfen Jade-Roller gegen Falten?

Autor*in

Saskia Gerhard

Iloveyoumagazine Magazine Beauty Science Saskia Gerhard Jade Roller Tools 01
Russische Jade Halbedelstein-Edelsteinperlen von https://german.alibaba.com/

Sie werden überall beschworen: Jade-Roller. Nach einer gründlichen Prüfung von I LOVE YOU-Science Editor Saskia Gerhard bleibt leider nicht mehr viel übrig vom gigantischen Ruf. Aber Hoffnung für straffe Haut gibt's trotzdem.

Iloveyoumagazine Magazine Beauty Science Saskia Gerhard Jade

Am Jade-Roller ist auf den ersten Blick alles schön. Zuerst einmal sein Äußeres: Der schlanke Griff, eingefasst in gold- oder silberfarbene Halterungen für die beiden Jade-Walzen – eine größere fürs Gesicht, eine kleinere für die Augen. Abgesehen von den metallenen Bauteilen, zieht sich über das kleine Werkzeug eine Marmorierung aus durchschimmerndem Weiß und zartem Pastell oder manchmal auch aus tiefem Schwarz – je nach Stein.

Das zweite Schöne an dem Jade-Roller ist seine Geschichte: Schon im antiken China vor mehr als tausend Jahren sollen sich Prinzessinnen damit übers Gesicht gerollt haben, um ihren Glow (der hieß damals sehr wahrscheinlich anders) anzuregen. Das steht in zig Werbetexten für Jade-Roller und Beauty-Seiten beten es nach.

Quelle? Keine Ahnung. Wir konnten keinen Aufsatz finden, in dem Historiker*innen den Fund eines Jade-Rollers in einem Grab beschrieben hätte. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Was sagt also die Wissenschaft von heute? Kann sie dem Jade-Roller mehr attestieren, als dass er sich bloß dekorativ auf der Badezimmerablage macht?

Die Antwort lautet leider eher Nein.

Iloveyoumagazine Magazine Beauty Science Saskia Gerhard Jade Roller Green

Für alle, die sich noch nicht intensiv mit dem Roller beschäftigt haben: Es handelt sich nicht einfach um irgendein Massage-Tool. Da könnte man ja alles nehmen! Nein, es müssen schon bestimmte Steine verarbeitet sein. Nicht unbedingt Jade, Rosenquarz darf auch, auch Bernstein, Amethyst ist auch dabei und Bergkristall – wobei die letzten beiden eigentlich Abwandlungen von Quarz sind.

Wenn man nach dem generellen Warum fragt, wird es arg esoterisch. Nimmt man den Jade-Roller (wir bleiben jetzt mal bei dem Begriff, auch wenn es diverse Stein-Roller gibt) für voll, dann haben unterschiedliche Steinwalzen unterschiedliche Eigenschaften neben der Hautstraffung.

Die schwarze Jade entzieht negative Gedanken, der Amethyst reinigt Körper und Seele, der Rosenquarz hilft einem bei der Selbstliebe und Bernstein ist die absolute Wucht: Auf einer Herstellerseite heißt es, dass er „bei richtiger Anwendung […] sämtliche Beschwerden“ lindern würde. Er besäße eine reinigende und entgiftende Wirkung.

Da fragt man sich doch: Warum steht das Ding nicht in jeder Apotheke? Ärzt*innen müssten ihren Patient*innen Jade-Roller hinterherwerfen! Heilung auf ganzer Linie und das schon ab schlappen 35 Euro! Uns ist nicht mal ein Medikament bekannt, dass sowas schafft.

Aber im Ernst: Es gibt keine Beweise, dass Steine in irgendeiner Form den Körper heilen können oder sich sonstwie auf die Psyche auswirken. Was auch dafür spricht, dass diese Zuschreibungen sehr wahrscheinlich Blödsinn sind: Die Eigenschaften der Steine unterscheiden sich je nach Quelle.

Gäbe es eine nachgewiesene Wirkung, wäre die sehr wahrscheinlich in einem medizinischen Nachschlagewerk eindeutig festgehalten. Aber solange der Placebo-Effekt funktioniert, wollen wir mal nichts dagegen sagen.

Grundsätzlich kann es nicht schaden, das Gesicht mit einem Roller zu massieren. Solange das Werkzeug sauber gehalten wird. Es gibt Hinweise darauf, dass die Steine porös werden können. Dann sind sie ein guter Nährboden für Bakterien.

Dass die Haut für einen selbst erfrischt und gestrafft erscheinen kann nach einer Gesichtsmassage (allerdings ohne Roller), ergab eine Studie aus Neu Delhi mit 142 Frauen. Objektiv ließ sich kein Unterschied feststellen, zumindest in dieser Studie nicht.

Eine andere, von L‘Oreal finanzierte und durchgeführte Untersuchung an 42 älteren Damen ergab, dass in Kombination mit einem Gesichtsserum und bei einer Anwendung über mehrere Wochen Faltenminderungen festzustellen waren. Allerdings wurde dabei kein handbetriebener Roller benutzt, sondern ein schnell rotierender Automat, der 75 Umdrehungen pro Sekunde schaffte. Kann man ausprobieren, doch schon mal vorab: Das schafft keine menschliche Hand. 

Hier könnten wir jetzt aufhören und jedem selbst überlassen, ob er oder sie den Roller nun benutzen möchte oder nicht. Aber leider gibt es da noch ein weiteres Ärgernis und das hat mit der Herstellung zu tun. Wie die SZ-Autorin Julia Rothhaas schreibt, ist die Gewinnung von Jade etwa gar nicht so chic wie der Roller, zu dem er verarbeitet wird: Im Norden Burmas an der Grenze zu China liegen demnach die größten Jadevorkommen weltweit. „Die Arbeit an den Hängen ist lebensgefährlich“, schreibt Rothhaas. Und verhökert werde der Fund von Militär und Drogenbaronen. Der Umwelt schade der Abbau sowieso.

Angesichts dessen möchten wir deshalb ein paar Hinweise geben, wie sich die Haut auch ohne Roller wohlig weich machen lässt – auch wenn manche Effekte wahrscheinlich trotzdem so klein bleiben, dass sie kaum messbar sind:

1. Kühle Kompressen oder kalte Teebeutel auf die Augen gegen geschwollene Lider und Augenringe.

2. Ein Dampfbad fürs Gesicht, zum Beispiel aus Kamille, in Kombination mit einer Gesichtsmassage mit einer pflegenden Lotion – einfach weil es gut tut.

3. Eine halbe Stunde Gesichtsakrobatik jeden Tag. Das sogenannte Gesichtsyoga hat sich in einer sehr kleinen, aber in einem namenhaften Fachblatt publizierten Studie als wirksam erwiesen. Die wenigen Frauen mittleren Alters, die 30 Minuten am Tag über 20 Wochen Gesichtsübungen machten, konnten ihren Wangenbereich leicht, aber messbar strafen.

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