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Wie der Granatapfel in Naturkosmetik wirkt – und woher das Wundermittel-Image kommt

Autor*in

Saskia Gerhard

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Gerade in der Naturkosmetik ist der Granatapfel eine beliebte Zutat, um den Zeichen der Zeit entgegenzuwirken. Ist die Frucht die Wunderwaffe gegen Hautalterung?

Die Kraft des Granatapfels ist kein modernes Gerücht. Seit Jahrtausenden spielt er in der Mythologie wie in der Medizin eine Rolle. Ob als Symbol für Göttinnen und Götter oder als Therapeutikum gegen Magen-Darm-Beschwerden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – ihm werden zahlreiche Bedeutungen und Wirkweisen nachgesagt.

Kein Wunder, dass er sich auch in die illustre Gesellschaft der Superfoods einreihen darf. Und was da erst mal drin ist, wird bekanntlich schnell interessant für die Beauty-Industrie.

Was ihn so interessant macht, ist ein Stoff, der sich Urolithin A nennt. Er entsteht erst, wenn Granatäpfel verdaut werden.
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Vor allem in der Naturkosmetik ist die Frucht zu einem beliebten Buzzword geworden. Ihre Extrakte und Öle stecken in Cremes und Seren. Straffend sollen die wirken, Pigmentflecken verblassen und die Haut strahlen lassen.

Wie schon viele Produkte zuvor, die insbesondere reife Haut verwöhnen sollten, aber dann doch kein Wunder vollbracht haben. Kann der Granatapfel mehr?

Was ihn so interessant macht, ist ein Stoff, der sich Urolithin A nennt. Er entsteht erst, wenn Granatäpfel verdaut werden. Er steckt also nicht direkt in der Frucht, sondern muss von Darmbakterien aus bestimmten Gerbstoffen herausgezogen werden.

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Urolithin A wird nachgesagt, eine heilende Wirkung zu haben. In Zellkulturen – das sind menschliche Zellen, die außerhalb des Körpers im Labor untersucht werden – haben Forscher zuletzt entdeckt, dass Urolithin A Darmkrebszellen dazu bringen kann, abzusterben oder sich selbst zu zerstören. Auch waren die mit dem Stoff behandelten Krebszellen nicht mehr in der Lage, Metastasen zu bilden.

Kurzum: Unter Urolithin A vermehren und verteilen sich Darmkrebszellen nicht so leicht. Und das zeichnet Tumorzellen eigentlich aus: Dass er schnell wächst und Ableger bildet.

Diese Laborsituation mit dem echten menschlichen Körper gleichzusetzen, wäre allerdings hochtrabend. Immer wieder stellen Wissenschaftler fest, dass Zellen in einer Petrischale anders reagieren als im lebenden Gewebe.

An Mäusen und Ratten stellten die Forscher*innen in Folgeversuchen mehr Muskelstärke fest und mehr Ausdauer
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Die nächste Stufe wären Versuche an Tieren. Die gibt es sogar schon. Forscher*innen von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, einer technisch-naturwissenschaftlichen Universität in Lausanne, haben die Wirkung von Urolithin A an Würmern, Ratten und Mäusen getestet. Zuerst haben sie Fadenwürmer mit dem Stoff gefüttert. Ihr Ergebnis: Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die kein Urolithin A bekam, hatten die Würmer mit dem Stoff ein 45 Prozent längeres Leben.

An Mäusen und Ratten stellten die Forscher*innen in Folgeversuchen mehr Muskelstärke fest und mehr Ausdauer. Beide Tierarten hielten mit Urolithin A etwa länger im Laufrad durch.

Diese Testreihe deutet also an, dass Urolithin A die Muskelqualität gesteigert werden könnte. Tierversuche sind allerdings erst einmal vorsichtig zu betrachten, denn ihre Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf Menschen übertragen. Der menschliche Körper unterscheidet sich maßgeblich von dem einer Maus oder einer Ratte. So sind auch andere Versuche, wonach Granatapfelpulver in geschorenen Mäusen eine vor UV-B schützende Wirkung haben soll, mit Vorsicht zu betrachten.

An der Wurm-Maus-Ratten-Studie gibt es noch einen zweiten Haken: Entstanden ist sie in Zusammenarbeit mit einem Pharmaunternehmen, das selbst Urolithin A-Produkte vermarktet. Hatte der Konzern möglicherweise ein Interesse daran, dass die Ergebnisse möglichst günstig für den getesteten Stoff ausfallen? Muss nicht sein, kann aber.

Falls Urolithin A auch im Menschen eine heilende, erneuernde, muskelstärkende, straffende und krebsvorbeugende Wirkung hat, muss man übrigens nicht zu den teuren und weit gereisten Granatäpfeln greifen. Um Muskeln aufzubauen, hilft immer noch Sport am besten. Und die Gerbstoffe, die die Vorstufe der Urolithine ausmachen, finden sich genauso in Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren und Nüssen.

Fotografie: Liam Mulligan

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