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Unsere Zeit hat eine neue Überschrift: Willkommen in der Ära des Hopepunk

Autor*in

Lia Haubner

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Anzug DRIES VAN NOTEN, vintage Kleid, Shorts DOLCE & GABBANA (Archiv); Top SEE BY CHLOÉ, Monokini RUDI GERNREICH (Archiv)

Doch wenn Hoffnung alles ist, was eine Rebellion vorzuweisen hat, ist sie dann nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt?

Hopepunk ist dagegen. Nicht die schlechteste Voraussetzung für eine rebellische Bewegung. Im Juli 2017 erklärt Autorin Alexandra Rowland auf Tumblr schlicht, dass Hopepunk das Gegenteil von Grimdark sei. Bitte was?

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Hose DRIES VAN NOTEN, Seidenkleid SEE BY CHLÓE, Tank-Top GUCCI via matchesfashion.com, Top MIU MIU (Archiv)

Grimdark beschreibt eine bestimmte Erzählweise. Das Subgenre prägt Serien, von denen sich viele gerade am besten unterhalten fühlen: „Breaking Bad“ oder „The Walking Dead“ zum Beispiel. Sie haben gemeinsam, dass am Ende nicht unbedingt das Gute siegt. Stattdessen schwebt ständig die düstere Gewissheit im Raum, dass sicher Geglaubtes jede Minute in Gefahr ist und man sich am Ende ziemlich sicher betrogen fühlt. Brutalität gehört dazu. Spannend ist es übrigens trotzdem.

Diese Beschreibung fühlt sich viel mehr nach dem aktuellen Zeitgeist an? Verständlich. Doch genau deshalb kann Hopepunk überhaupt erst existieren. 


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Vintage Netz-Top, Kleid LE PETIT TROU, Blazer ARMANI, Hose VALENTINO
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Seidenrock SEE BY CHLOÉ, Kleid BLANCHE, Jacke JIL SANDER
Top SEE BY CHLOÉ, Monokini RUDI GERNREICH

„Die Idee, sich an Hoffnung festzuhalten, ist ein existenzieller Akt, der unsere Menschlichkeit bestätigt und gleichzeitig eine Form des Widerstands gegen eine zynische Weltsicht, die Hoffnung als wichtiges Machtelement für Veränderungen unterschätzt“, schreibt die Autorin Aja Romano, die das Konzept bei Vox auch über die Grenzen von Tumblr hinaus bekannt gemacht hat. 

Dieser Widerstand ist das entscheidende Element, das aus purer Hoffnung Hopepunk macht. Deshalb kann Hopepunk auf einmal alles sein: Romano liefert am Ende ihres Artikels konsequenterweise direkt passend darauf zugeschnittene Buch-, Film-, Serien-, Musik- und Everything-Else-Listen. 

„Hafermilch? Hopepunk. Jesus? Definitiv Hopepunk“, kommentiert Haley Nahman auf Man Repeller. Hopepunk sei weiterhin „Self-careBon Apetit auf YouTube, ein Dankbarkeitstagebuch führen, ,Eine zweite Chance', Teddyfellmäntel, Chia-Pudding.“ Hier reiht sich nahtlos die Goodie Bag von The Row ein, in die Mary-Kate und Ashley Olsen vor genau einem Jahr bei der New Yorker Modewoche schwarze und weiße Kristalle (gegen negative Energien und für mehr Harmonie ) gelegt haben.

Die Naivität, die diese Auflistung widerspiegelt, muss man sich leisten können. Doch Hopepunk darf weitergedacht werden. Es muss nicht um Konsum oder die nächste Serie gehen. Die Hafermilch-und-mehr-Liste ist Ausdruck der Tatsache, etwas anzugehen, das sich durch und durch gut anfühlen soll – so gut, dass man misstrauisch werden will. Vieles, was darunter fällt, hat man vor nicht allzu langer Zeit noch als Guilty Pleasure abgetan. Ein persönlicher Spleen, von dem man zwar Freund*innen erzählt, sich aber schon währenddessen direkt selbst aufs Korn nimmt. Doch je öfter wir diesen Dingen frei von Zynismus und Ironie einen Raum schaffen, desto mehr Raum geben wir auch uns selbst.

Und wenn Hafermilch, Heilsteine oder Horoskope, die man so selbstverständlich checkt wie morgens den Wetterbericht, der Zugang dazu sind, dann bitteschön. Das Konzept des Hoffens als Widerstand erfordert Ehrlichkeit – vor allem zu sich selbst. Und das wäre dann fast schon wieder radikal.

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Top JIL SANDER via matchesfashion.com, Top HERMES, Hose DRIES VAN NOTEN

Unsere Zeit hat eine neue Überschrift: Willkommen in der Ära des Hopepunk.

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Top JIL SANDER, Body Y/PROJECT

Fotografie: Sigurd Grünberger

Fashion Direction: Kathi Kauder

Haare: Gregor Makris

Make-Up: Anna Neugebaur

Set Design: StudioRifa

Fotografie Assistenz: Noé Lelou

Styling Assistenz: Pablo Martin Ortiz

Models: Amelia Kearney (Iconic Management), Nike Fortmann, Maartje & Wan Yu (Modelwerk)