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Macht, Emanzipation und Politik: Ein historischer Beauty-Guide über roten Lippenstift

Autor*in

Kelly Niesen

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Der rote Kussmund ist nicht nur ein Beauty-Klassiker, sondern auch ein Symbol für Macht und Emanzipation. Das Färben der Lippen hat kulturelle, gesellschaftliche und politische Konnotationen, die sich im Laufe der Geschichte immer wieder verändert haben. Wie bedeutsam roter Lippenstift wirklich war, lest ihr hier.

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1. Die Angst der Männer

Dies war sogar Gesetz, und zwar im Antiken Griechenland. Dort war es nämlich Pflicht, dass Sexworkerinnen sich anhand eines roten Mundes „kennzeichnen“, um nicht mit den Damen der höheren sozialen Klassen verwechselt zu werden. Im Umkehrschluss bedeutete das, dass die Lippen aller anderen Frauen ungeschminkt bleiben mussten. Den Einzigen, denen diese Regelung natürlich zu Gute kam, war den Männern: Sie befürchteten, dass Sexworkerinnen sie ansonsten irreführen könnten, indem sie sich für upper-class Ladies ausgeben.

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2. Rote Lippen = Hexerei

Wie schon das vorherige Beispiel zeigte: Männer hatten ganz schön viel Schiss vor einem geschminkten Mund. Denn wie mächtig – und damit eben angsteinflößend – rote Lippen sein können, bewies auch das britische Parlament im späten 18. Jahrhundert: Es wurde Frauen tatsächlich verboten, mithilfe von Make-up und eben gefärbten Lippen Männer zu einer Heirat zu – Zitat – „verführen, bezirzen und zu täuschen“. Andernfalls würden sie, gleich wie bei der Anwendung von Hexerei, bestraft werden. Auch eine Heirat konnte so automatisch annulliert werden. Paranoid much?

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3. Die „unsterblichen“ Kräfte der Red Lips 

Geradezu fanatisch war die britische Queen Elizabeth I angeblich nach roten Lippen. Für die Eigenrezeptur soll sie Cochenille, Gummiarabikum, Eiweiß und Feigenmilch verwendet haben. Ihre Obsession rührte aber wohl aus dem Aberglaube (we’ve seen this before): Im Gegensatz zum späteren Parlament war sie der festen Überzeugung, dass der Red-Lips-Look positive magische Eigenschaften besitzt und den Tod aufhalten kann. Also schmierte sie sich ihre purpurfarbene Paste besonders dick auf die Lippen, wenn sie krank wurde. An ihrem Todestag soll sie mehr als einen Zentimeter Farbe getragen haben. War wohl doch kein Zaubermittel. 

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4. Rote Lippen als Zeichen der Emanzipation

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts kam der Umbruch: Die Suffragettes kämpfen für das Wahlrecht von Frauen, für die Befreiung vom repressiven Patriarchat. Der von ihnen getragene rote Lippenstift wird zum Leitsymbol von Emanzipation und dem Recht, über ihr Aussehen selbst zu bestimmen. Schlüsselpersönlichkeiten wie Elizabeth Cady Stanton und Charlotte Perkins Gilman führen die Rebellion samt charakteristischem, rotem Lippenstift beim New York Suffragette Rally 1912 an. In den USA und England färben sich immer mehr Frauen die Lippen rot – als Zeichen der Solidarität. 

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5. Rot wird zur Farbe der Hoffnung und des Patriotismus

Während des zweiten Weltkrieges gab es in den USA eine Vielzahl an politisch angelehnten Lippenstift-Werbungen. Eine davon: der Lippenstift „Victory Red“ des Unternehmens Elizabeth Arden – ein tiefer, satter Rotton. Oder auch das „Montezuma Red“, eine Hommage an die weiblichen Marines, und gleichzeitig eine direkte Aufforderung, den Marines beizutreten.


Andere Marken integrierten die kritische politische Lage in ihre Slogans und Verkaufsstrategien, etwa: „No lipstick…. will win the war. But it symbolizes one of the reasons why we are fighting – the precious right of women to be feminine and lovely under any circumstances." Heute wäre dies ein Shit-Storm-Garant. Doch damals, als die Werbung noch als eine Form von Autorität galt und die Menschen allem vertrauten, was in der Werbung gezeigt wurde, vermittelten solche Botschaften durchaus Hoffnung. Sich morgens die Lippen zu Färben wurde zu einem patriotischen Akt, einer zivilen Pflicht. Der rote Lippenstift galt als Zeichen des weiblichen Widerstands in der Kriegszeit. 

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6. Queen Elizabeth II ließ sich ihre ganz eigene Nuance herstellen

Der amtierenden Queen Elizabeth II gefällt ein bisschen Farbe auf den Lippen ebenfalls – und das schon länger: Sie beauftragte die Beauty-Marke Clarins mit der Herstellung eines Lippenstifts extra für ihre Krönung 1953. Tatsächlich trägt die junge Queen Elizabeth II ein kräftiges Rot, das sich auch deutlich in den opulenten Kronjuwelen widerspiegelt. Zufall? Vermutlich eher nicht. Sie ist übrigens auch heute gerne noch mit auffälligen Farben unterwegs und scheut sich auch nicht davor, ihren Lippenstift in aller Öffentlichkeit aufzutragen. So relatable, die Queen.