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Ein historischer Beauty-Guide über die seltsamsten „natürlichen“ Inhaltsstoffe

Autor*in

Kelly Niesen

Definitiv nicht alle vegan, cruelty-free oder clean.



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1. Ein ganz spezielles Mundwasser

Bis auf einige Ausnahmen (Ohaguro in Japan etwa) galten weiße Zähne damals wie heute als Schönheitssymbol. Im Alten Rom waren reiche Männer und Frauen davon überzeugt, dass der beste Bleaching-Effekt mithilfe von – brace yourselves – Urin erfolgt. Das klingt schon absurd genug, dennoch wurde nicht irgendein Urin dafür verwendet: Pipi von Portugiesen galt als stärkstes auf der Welt (was auch immer damit gemeint ist) und so transportierte man ganze Behälter davon von Portugal nach Rom. Es war sogar so beliebt, dass eine Steuer darauf erhoben wurde.



2. Schimmer-Effekt mit Schuppen

Ein bisschen Glitz, ein bisschen Glam war schon immer eine gute Idee. Damals schaute man sich in der Natur um und dachte sich wohl, was in seiner ursprünglichen Form so schön glänzt, das muss auch für die eigene Beauty-Routine funktionieren. Zum Beispiel: Fischschuppen. Die wurden zerkleinert und etwa in den DIY-Lippenstift gemischt.


Sie werden unter dem Namen Guanin übrigens noch heute in Kosmetikprodukten verwendet. Better check your ingredients, kids. 

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3. Der gefragteste Farbton: Blutrot

Rote Lippen sind ein Beauty-Klassiker und im wahrsten Sinne des Wortes zeitlos, denn auch im alten Ägypten war ein dunkler Mund todschick. Dafür nutzten Kleopatra und Co. – ihr ahnt es – Blut, und zwar von Insekten. Das kam übrigens auch bei Nagellack zum Einsatz. Definitiv nicht cruelty-free.


Doch noch makabrer war da eine ganz andere Lady, die ungarische Gräfin Elizabeth Báthory de Ecsed – auch bekannt unter dem charmanten Titel „die Blutgräfin“. Die Serienmörderin badete angeblich im Blut ihrer Opfer, um ihre jugendliche Schönheit zu bewahren. Vampire-Facial Level 3000. 

English Lady
Wig Caricature
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Fourteen Heads Showing Different Types Of Wigs  Coloured Etc Wellcome V0019819

4. Ein bisschen Schmalz muss sein

Wir alle kennen die riesigen Perücken, die die Menschen in Europa im 18. Jahrhundert trugen, ganz nach dem Motto „hoch, höher, am höchsten“. Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie die eigentlich ohne Haarspray oder Gel so aufrecht hielten?


Hier die Antwort: Eine Paste aus Schweineschmalz wirkte wie ein Kleber und sorgte dafür, dass der fake Haarturm nicht zusammenfiel. Funktionierte grundsätzlich gut, wären da nicht die Ratten gewesen, die auf den Geruch total abfuhren und sich in den Perücken einnisteten. So soll übrigens auch das englische Idiom „rat’s nest“ entstanden sein. 

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Images
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5. Das Vogelkacke-Facial

Im Japan des 17. Jahrhunderts malten sich die Kabuki-Darsteller (ein traditionell japanisches Theater) für ihre Performances die Gesichter so oft mit dicker, weißer Farbe an, dass sie irgendwann an chronischen Hautkrankheiten litten. Denn wie wir seit dem ersten historischen Beauty-Guide wissen, enthielten viele Kosmetika Blei und andere schädliche Substanzen.


Irgendwann fand dann jemand auf unerklärliche Weise heraus, dass sich Guano, also Vogelkot, von der japanischen Nachtigall ganz hervorragend fürs Abschminken eignet und die Haut bedeutend verbessert. Gibt’s übrigens auch heute noch: Das „Uguiso no fun“-Facial wird als Deluxe-Behandlung angepriesen und ist sogar Victoria-Beckham-approved. 

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Portrait Of Sappho From Pompeii
Wall Painting From The Vila San Marco

6. Die Krokodil-Mist-Maske

Keine Ahnung, warum die Leute früher so obsessed mit Fäkalien waren. Gut, der berüchtigte Kopi Luwak-Kaffee ist heute einer der teuersten auf der Welt und Schlammbäder längst zum Luxus-Treatment avanciert. Menschen lassen sich von Blutegeln „reinigen“ und die Hornhaut an den Füßen von Fischen abnibbeln. Auch im 21. Jahrhundert gibt es also noch abenteuerliche Schönheitspraktiken.


In der Antike galt tatsächlich Krokodil-Mist als Anti-Aging-Wunderwaffe. Entweder als Gesichtsmaske oder sogar als Bad. Wie sie den Geruch wohl losgeworden sind?