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To All The Food I’ve Loved Before: Eine Ode an das Essen meiner Lieblingsfilme & -serien

Autor*in

Rea Mahrous

The Family Stone 1

Meine aller, aller, allerliebsten Momente auf der Leinwand waren nie die Happy Endings. Fair enough, sie kamen direkt auf Platz Zwei, aber den Platz eins nehmen immer wieder Momente ein, in denen gegessen wird. Ob es die Pizza im Intro zu Roseanne war, die sich die Conners (in den frühen 90ern wohlgemerkt) geteilt haben oder aber die 18 Kugeln Eis, die Kevin McCallister auf seinem Hotelzimmer in Kevin – Allein in New York verschlingt. Oder Carrie Bradshaw, die sich in der zweiten Folge der ersten Staffel SATC mit ihren Freundinnen einen chinesischen („chinesisch“) Imbiss mit ihren Freundinnen teilt – natürlich in den kleinen take-away-Boxen, für die meine Freundinnen und ich damals alles Taschengeld der Welt ausgegeben hätten.

Wer jetzt schon denkt „süß, aber so läuft das im echten Leben nicht“, hat eine der besten Foodszenen noch nicht erlebt: Das Dinnerbanquette im Nimmerland mit Robin Williams als Peter Pan in Hook. Die „verlorenen Jungen“, also die nicht-alternden Bewohner des Nimmerlands, essen Dinge, die Peter Pan nicht sehen kann, weil er seine Fantasie über die Jahre hinweg verloren hat. Doch dann kommt der Durchbruch und es tauchen komische Pudding-artige Massen auf in allen Farben des Regenbogens, es gibt Fleisch an Keulen und riesige Töpfe voll mit dampfenden Speisen. Mein Kinderhirn hat das damals abgespeichert als „das wirst du auch mal machen“ und egal wie surreal es ist, der Plan steht.

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Vielleicht haben nicht alle 90s Kids auch Hook gesehen, aber ein Beispiel, das wahrscheinlich jede*r kennt: Die Simpsons. Ich muss zugeben, dass ich der Meinung bin, in meinem ganzen Leben nicht eine einzige Folge gesehen zu haben, dafür habe ich einen älteren Bruder und der war obsessed. Das führte dazu, dass wir Anfang der Neunziger ein Simpsons-Computerspiel hatten und die kleinen Bonuspunkte, die man während des Spiels sammeln musste, waren Donuts. Obwohl ich Donuts im echten Leben bis heute verabscheue, sind sie das einzige, was ich an dieser Serie liebe.

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Wenn du in einem Haushalt aufwächst, in dem Grünkerne häufiger als Reis gegessen werden, dir aber, sobald du Gefallen daran gefunden hast, auf die Finger gehauen wird, dann sind die zuckrigen, fettigen, kunterbunten Sachen in endlosen Massen aus den Serien und Filmen der Stoff, aus dem deine Träume sind.

Und jetzt, wo ich so darüber nachdenke, hört es nicht mal bei Serien und Filmen auf. Meine Lieblingskassette als Kind war das Hörspiel zu Astrid Lindgrens Lotta zieht um: Das jüngste von drei Geschwistern, Lotta, hat einen furchtbar schlechten Tag und will partout nicht den Pullover anziehen, den die Mutter für sie rauslegt. Aus Trotz zieht sie auf den Dachboden ihrer Nachbarin Frau Berg, die Lotta dort all die Möbel und Spielsachen ihrer Tochter zur Verfügung stellt. Nur wie kommt Lotta jetzt an Essen, schließlich ist sie viel zu jung zum Kochen? Die Lösung: Die beiden binden einen Korb an ein Seil, das Lotta immer dann zum Fenster runterlässt, wenn Frau Berg Essen gemacht hat, die ihr dann eine ordentliche Portion in den Korb legt. In welchem Universum klingt das nicht wie der Traum einer 5-Jährigen? (Die erste Mahlzeit ist übrigens ein Stapel Pfannkuchen mit Marmelade und hausgemachter Limo und ich warte bis heute darauf, dass mir das mit dem Korb und den Pfannkuchen auch mal jemand anbietet.)

Essen ist für mich, wie für die meisten anderen Mädchen und Frauen, eine komplexbeladene Sache. Ich habe eine riesige Hassliebe zu ihm, denn auf der einen Seite wurde in meiner Familie immer sehr viel Wert darauf gelegt, gut zu essen. Mit gut war nicht fancy gemeint, sondern gesund und hausgemacht. Im Nachhinein ist das eine ganz tolle Sache, als ich klein war, fand ich nichts nerviger. Denn während andere Kinder Durstlöscher-Trinkpäckchen und weiße Brötchen mit rosafarbener Wurst dabei hatten, bekam ich Minztee und Vollkornbrot mit rustikalem Käse. 

An dieser Stelle lohnt es sich vielleicht zu erwähnen, dass meine Eltern das nicht taten, weil sie Gourmets oder wohlhabend waren, sondern weil sie aus Ländern kamen, in denen es keine TK-Kultur gab und in denen Obst und Gemüse an jeder Straßenecke wächst. Künstlich eingefärbte und halbfertige Lebensmittel zu kaufen war ihnen ganz einfach suspekt, weil sie es nicht kannten, also wurde alles zu Hause gekocht.

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Status meiner Beziehung zu Essen: It’s complicated.

Andererseits verlief das Essen bei uns aber auch nie unkommentiert und ich habe auch nie gelernt, in Maßen zu essen. Denn obwohl wir nur zu viert waren, wurde gekocht, als wären wir mindestens zehn. Es standen immer mehrere Töpfe auf dem Herd, aber ging man einmal zu oft ran, wurde gefragt, was man hier schon wieder wolle. Status meiner Beziehung zu Essen: It’s complicated.

Wenn du in einem Haushalt aufwächst, in dem Grünkerne häufiger als Reis gegessen werden, dir aber, sobald du Gefallen daran gefunden hast, auf die Finger gehauen wird, dann sind die zuckrigen, fettigen, kunterbunten Sachen in endlosen Massen aus den Serien und Filmen der Stoff, aus dem deine Träume sind. Urteilsfrei und ungesund, das muss das wahre Leben sein. 

Mittlerweile bin ich 31 und hatte die Chance sowohl Durstlöscher zu trinken, als auch Burger zu frühstücken, wann immer ich mich danach fühlte. Gleichzeitig liebe ich es mittlerweile zu kochen und weiß es zu schätzen, dass meine Eltern mir dieses Selbstverständnis von hausgemachtem Essen vorgelebt haben. Zu einer riesigen Käsepizza auf der Rückbank einer schwarzen Limousine würde ich trotzdem niemals Nein sagen.

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