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Was bleibt in einer Zeit, in der sich alles stetig verändert?

01 Queen Of Cups

Kann man mit einem Selbstporträt mehr als nur der Gegenwart ins Auge blicken? Caro Siegl gestaltet mit ihren Arbeiten ein fotografisches Tarotdeck und schafft es so, das Selbst im Jetzt aus mehreren Perspektiven zu beleuchten.

Tarot ist ein Deck von 78 Karten. Das war es aber dann auch schon mit der Nüchternheit: Die Mythen und Interpretationen, die sich darum ranken, reichen von der Beeinflussung des Bewusstseins bis zur Fähigkeit, als Orakel zu fungieren und die Zukunft vorauszusagen.

„Tarot basiert auf archetypischen Symbolen, die verwendet werden, um das Unterbewusstsein zu stimulieren“, erklärt Caro Siegl, Visual Artist und Fotografin aus Berlin.

Dort setzt sie 2016 mit ihrer Selbstporträt-Reihe an. Im Fokus steht die Untersuchung der Möglichkeiten in einem System von Symbolen. Sie beginnt mit sich selbst als Person, als Künstlerin und den Erfahrungen, die sie erlebt. „Seit etwa einem Jahr fotografiere ich aber nicht mehr nur mich, sondern auch meine Freund*innen und Menschen, die mich inspirieren – für mich ist das eine Art komplexeres Selbstporträt“, sagt sie.

Wie funktioniert ein Selbstporträt in einem System von Symbolen?
04 Judgement
Judgement
05 Ten Of Swords
Ten Of Swords

Wir bewegen uns durch unseren Alltag, indem wir interpretieren und einordnen – jede*r für sich und doch ähnlich genug, um Gemeinsamkeiten zu finden. Doch wie wird aus der Summe vieler Momente eine Art kollektives Mindset einer bestimmten Gruppe? Für Caro Siegl schließt sich der Kreis in ihrer Serie in der Symbolik und der Bedeutung dieser im Tarot.

„Symbole und Archetypen sind das Gerüst der Kultur. Sie geben einen Rahmen für die Interpretation dessen, was um uns herum ist, für die Kategorisierung dessen, was wir wahrnehmen, und für den Sinn des Unbekannten“, sagt sie. „Doch Symbole sind nie statisch, ihre Manifestationen innerhalb einer Kultur verändern sich stetig.“

Sie arbeitet für ihre Tarot-Serie mit dem Rider-Waite-Deck, das von dem Autor Arthur Edward Waite und der Künstlerin Pamela Colman Smith – beide Mitglieder in der Geheimgesellschaft Hermetic Order of the Golden Dawn – entworfen wurde. Der Londoner Verlag Rider & Son veröffentlichte es 1910. Waite orientierte sich dabei an dem italienischen Sola-Busca-Tarot aus dem späten 15. Jahrhundert. In beiden Decks spielt die Verbindung von Illustration und Symbolik der kleinen Arkana, also der 56 Farbkarten des Decks, eine große Rolle.

„Ich entdeckte, dass die veralteten Symbole in unserer heutigen Zeit neu interpretiert werden müssen. Meine Herausforderung bestand darin, sie in Formen zu übersetzen, die widerspiegeln, was ich als die Realität meiner Gegenwart verstehe“, erklärt die Fotografin.

Die Karten werden in ihrer Arbeit nicht zur Wahrsagung, sondern zur Selbstreflexion verwendet. „Bei einer Tarotlesung wird die Bedeutung nicht durch das Lesen jeder einzelnen Karte, sondern durch die Dynamik zwischen ihnen gewonnen. Die Fotos zeigen ,mich' in Form eines ,Selbstporträts', doch erst durch das Betrachten aller Karten, die zusammenwirken, entsteht ein tieferes Selbstporträt.“

Caro Siegl ist Teil von FemalePhotographers.Org, einem unabhängigen Künstlerinnenkollektiv. Non-profit, non-hierarchical: Aufstrebende und etablierte Fotografinnen vernetzen sich hier mit dem Fokus Fine Art Photography, um gemeinsam an Konzepten zu arbeiten, sich auszutauschen und andere mit ins Boot zu holen. Gerade arbeiten sie an ihrem ersten gemeinsamen Art Book und einer Ausstellung, die bei Kickstarter unterstützt werden kann. Hier geht es zum Crowdfunding.

„Symbole sind nie statisch, ihre Manifestationen innerhalb einer Kultur verändern sich stetig.“
Caro Siegl, Fotografin
07 Five Of Wands
Five Of Wands

Interview

Lia Haubner