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Wieso wollen wir aus unserem Charakter so dringend unsere persönliche Brand machen?

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Hemd FENDI; Bodypainting inspiriert von FENDI, Hemd MIU MIU, Rock FENDI, Ohrringe VIBE HARSLØF

Charaktereigenschaften beschreiben nicht mehr nur uns selbst – sondern unseren Markenkern. „Sei deine eigene, persönliche Brand“, ruft es uns aus Motivations-Podcasts, Selbsthilfe-Büchern und dem letzten Bewerbungstraining entgegen. Doch was heißt das?

Neulich erklärte mir eine Freundin, dass man 2019 schon jetzt mit einer Frage zusammenfassen könnte: „Brauchst du das noch?“

Sie spielte nicht etwa auf Marie Kondōs Magic Cleaning an. Was sie eigentlich meinte, hat nur noch am Rande etwas mit Aufräumen zu tun. Sie hätte auch: „Bringt es dir etwas?“ sagen können. Denn Vergnügen ist kein Statussymbol, Nutzen aber schon. Was nützlich ist, so der Tenor, wird früher oder später auch für Erfüllung sorgen. Welche Art von Erfüllung das ist, kann einem niemand so richtig sagen.

Es fragt aber auch kaum jemand. 

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Kleid MIU MIU, Rock MIU MIU, Bodypainting inspiriert von NIKE, Sandalen MIU MIU, Ohrring JANE KØNIG
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„Sei deine eigene, persönliche Brand“, ruft es uns aus Motivations-Podcasts, Selbsthilfe-Büchern und dem letzten Bewerbungstraining entgegen. Doch was heißt das eigentlich?

Gerade Individualität hat bitte mehr als nur Privatvergnügen zu sein. Sie soll uns etwas bringen. Das liegt natürlich erstmal daran, dass wir es uns leisten können, diesen Anspruch zu haben. Doch weil der Nutzen so gut messbar geworden ist – in angenommenen Lebensläufen, geteilten Postings oder zumindest in Likes bei Instagram – wird es kompliziert.

Wer nicht auf den ersten Blick ausdrücken kann, wofür er oder sie steht – also nützlich ist – delivert wahrscheinlich gar nicht richtig. Doch an wen wollen wir nochmal genau was abliefern? Teile der Antwort könnten uns verunsichern: Denn es geht viel mehr um uns selbst, als wir zugeben wollen.

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Hemd CHANEL, Gürtel CHANEL, Ohrringe CHANEL

Unsere Charaktereigenschaften und der Kern unser sogenannten „persönlichen Brand“ sehen sich ähnlich, sind aber nicht dasselbe. Natürlich werden wir so auch keinesfalls, was wir sein wollen, sondern zu einem Teil der Erwartungen an uns. Außerdem können wir es uns auch ein bisschen bequem machen. Zu bequem?

Auf irritierte „Was hast du da eigentlich letztens geschrieben?“-Fragen – ob nun zum Lebenslauf oder dem ausschweifend betitelten Posting – kann man dann nämlich ganz einfach mit „Das ist nun mal meine Brand“ beantworten. Der Subtext: Alles nicht so ernst nehmen, weil es sowieso nur das Schaufenster war. Wir könnten auch „Das verkauft sich so besser“ sagen, wenn es nicht so nach Ausverkauf klingen würde. 

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Halskette NINA KASTENS, Shirt MALAIKA RAISS, Kleid MALAIKA RAISS, Mantel DRIES VAN NOTEN
Nach seinem Most Amazing Self zu streben ist deshalb nur die halbe Wahrheit. Ehrlicher wäre, es sein optimal konsumierbares Selbst zu nennen.
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Top DRIES VAN NOTEN, Hose DRIES VAN NOTEN, Armband VIBE HARSFLØF
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Mantel NOBI TALAI, Ohrringe NINA KASTENS, Bodypainting inspiriert von VERSACE

Nach seinem Most Amazing Self zu streben ist deshalb nur die halbe Wahrheit. Ehrlicher wäre, das Ganze der Weg zu seinem optimal konsumierbaren Selbst zu nennen.

So lange der Wunsch nach der vermarktbarsten Version von Individualität so selbstverständlich durch die Gesellschaft spazieren getragen wird wie ein nostalgisches 90ies-Sportswear-Logo auf den Socken, haben wir zwar Stress, aber immerhin auch etwas zu tun. Und wer etwas zu tun hat, wirkt, als würde er oder sie sich gerade nützlich machen. Nützlich sein heißt wertvoll sein. So zumindest der Tenor. Brauchen wir so ein Statussymbol noch? Das wäre die eigentliche Frage, die wir uns 2019 stellen sollten.