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Beauty-Mythen: Ist Bier gut für die Haare – und wie hält man den Geruch aus?

Autor*in

Ben Sharp

I LOVE YOU MAGAZINE Ist Bier gut für die Haare

„What the bloody hell have I agreed to?“, denke ich, als ich das mittlerweile komplett abgestandene Bier in einen kleinen Becher gieße, den ich gleich mit in die Dusche nehmen werde.

Mein Name ist Ben Sharp, ich bin Deputy Editor bei I LOVE YOU und außerdem der erste Freiwillige in dieser Serie. Wasche deine Haare mit Bier, they said. Sie werden glänzen und sich so gesund wie nie anfühlen, they said!

Meine Haare sind kurz, aber dicht und relativ voll. Sie sind außerdem rot. Nicht so rot wie die Haare von Julianne Moore, nicht so orange und super fashion wie die von Grace Coddington. Irgendwo in der Mitte. Und dank des Winters und Vitamin-D-Mangels können sie gerade auf jeden Fall Hilfe gut gebrauchen. In der Regel wasche ich meine Haare jeden zweiten Tag mit Shampoo. Conditioner benutze ich sogar jeden Tag. Also warum nicht meine sehr unkomplizierte, aber auch ein bisschen uninspirierte Routine aufpimpen? Let’s see.

Ich zweifle schon, als ich das Bier 24 Stunden davor aus dem Kühlschrank nehme und aufmache. Damit die Spülung ihre volle Wirkung entfalten kann und die Kohlensäure nicht dazwischenfunkt, wird empfohlen, es einen Tag lang geöffnet stehen zu lassen.

Danach steht dem Treatment nichts mehr im Weg: Als Conditioner-Ersatz (in die Kopfhaut einmassieren wird ausdrücklich empfohlen) soll es nach dem Shampoo für mehr Kraft und Volumen sorgen.

Stimmt das wirklich?

I LOVE YOU MAGAZINE Ist Bier gut für die Haare

Das sagen die Expert*innen:

Ruby Howes, Haarstylistin:

„Ich würde sagen, dass Bier gut für die Haare ist! Bier ist voller Proteine, sorgt also dafür, dass es stärker und weniger brüchig wird. Mein Dad schwört darauf. Er hat die Haare von meiner Schwester und mir schon früher mit Bier gespült und uns erzählt, dass sie davon noch mehr glänzen würden. Außerdem ist er überzeugt davon, dass es für eine gesunde Gesichtsfarbe sorgt und nutzt Bier deshalb auch zur Hautpflege. Ich muss zugeben: Er hatte immer einen ziemlich beeindruckenden, leicht gebräunten Teint!

Man kann Bier übrigens als Stylingprodukt benutzen – es wirkt ähnlich wie Sea Salt Spray. Ich vermute, dass das am enthaltenen Zucker liegt. Es gibt eigentlich keine negativen Effekte – außer, dass du wie ein alter Pub-Teppich riechst. Ich empfehle, es als Treatment zu nutzen und nach ein paar Stunden auszuwaschen.“


Isabel Maria Simoneth, Hair- & Make-up-Artist

„Ich finde, dass es einen eher kurzfristigen Effekt hat – schon allein aufgrund der Anwendung: Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich für immer dreimal die Woche Bier über den Kopf schüttet. Aber wer mehr Glanz und Volumen möchte, sollte sich da mal ausprobieren.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Bier in die Haarpflege zu integrieren: entweder schon fertig aus der Drogerie im Shampoo, pur oder als selbstgemachte Haarmaske mit Ei. Angst vor einem langanhaltenden Bierduft muss man übrigens nicht haben, denn wenn man gründlich alles ausspült, verschwindet auch der Geruch.“


Dr. med. Stephanie Reiter, Fachärztin an der Charité in Berlin und Gründerin im Kosmetikbereich:

„Generell bin ich eine absolute Befürworterin von Natur- und Hausmitteln für die Schönheits- und Körperpflege. Viele Haarkuren, die es im Handel zu kaufen gibt, enthalten problematische Bestandteile wie beispielsweise Duft- und Konservierungsstoffe sowie synthetische Polymere (Mikroplastik, aber auch flüssiges oder gelartiges Plastik). Diese und viele andere bedenkliche Inhaltsstoffe können weitreichende negative Effekte auf den eigenen Körper und die Umwelt haben. Auch hinsichtlich Verpackungsmüll und Beschaffungskosten schlägt eine Flasche Bier sicherlich viele herkömmliche Haarkuren! Aber auch die Inhaltsstoffe können sich sehen lassen: Bier enthält nämlich Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine sowie ätherische Öle, wertvolle Bitterstoffe, Flavonoide und Antioxidanzien. 

Wunder sollte man aber keine erwarten: Zum einen ist die Resorption über Haare und Kopfhaut nur sehr gering, zum anderen sind all diese Wirkstoffe im Bier sehr niedrig konzentriert. Grundsätzlich gilt nach wie vor, dass gutes Aussehen von innen kommt (was leider nicht bedeutet, dass es besser wäre, die Flasche Bier einfach zu trinken - die Schäden und Risiken durch Kohlenhydrate und Alkohol schlagen leider den positiven Nutzen der Wirksubstanzen im Bier). Viel Schlaf, eine gesunde und ausgewogene Ernährung und ein bewusster Lebensstil verhelfen am ehesten zu kraftvollem, glänzendem Haar. Weniger waschen, föhnen, stylen und synthetische Produkte verwenden und das Haar möglichst oft bürsten: den Traumhaaren steht dann nichts mehr im Wege!“ 

Das Fazit:


Hm. Nach den zwei Wochen, in denen ich meine Haare jeden dritten Tag mit Bier gespült habe, merke ich kaum einen Unterschied. Es ist nicht dramatisch, aber ich würde Veränderung sogar als negativ bezeichnen: Meine schon relativ dicken Haare fühlen sich super trocken an. Vermutlich, weil mein „normaler“ Conditioner nach Waschen fehlt. Also kein besonders auffälliger Glanz, keine sichtbare Stärkung der Haare, stattdessen ein fast schon strohiges Gefühl. Überzeugt bin ich nicht.

Ich glaube, ich bleibe bei meinen DM-Favoriten und kaufe das Shampoo und den Conditioner einfach weiter. Wenn Bier schon eine negative Wirkung auf meinen Körper haben muss, dann lieber in Form eines Katers nach einer Party und good times – das ist sowieso eher my kind of wellness.

Fotografie: Julia Rosenstock

Bier: NOAM